Es war die Mitte der Woche auf dem Sommerlager der Guides und Späher und es ergab sich, dass wir nach den morgendlichen Ritualen, wie Morgensport, Reinigung und Frühstück, unter dem Lagertor durchspazierten und uns plötzlich im Jahre 1650 befanden. Damals konnte man sich in dem Alter der GuSp (noch) nicht einfach ausruhen und auf die finanzielle Hilfe der Eltern verlassen, nein, man musste in die Lehre gehen und einen Handwerksberuf erlernen.

Zur Auswahl standen die Knüpf- und Flechtkunst, das Schmieden, das Taschnern und die Holzbrennerei. Hatte man sich für ein Handwerk entschieden durfte man vom Meister alles lernen und musste natürlich auch selbst u.a. Freundschaftsbänder, Messer, Lederbeutel und eingebrannte Holzkunstwerke herstellen, da am Abend ein großes Dorffest mit Gauklern, Glücksspielen und einem Handwerkermarkt angesagt war. Die produzierten Werksstücke sollten dort verkauft werden.

Bevor der verdiente Lohn ausgezahlt wurde, wurde dem Grafen auf der Burg Kronsegg ein Besuch abgestattet, und die GuSp zeigten in Wettkämpfen, wie dem Speerwerfen, Reiten, und Tauziehen, dass sie im Notfall auch seine Burg verteidigen konnten. Der Graf war zufrieden und so machten sich die braven Lehrlingen wieder auf den Weg zurück ins Dorf, um ihren Lohn zu erhalten.
 
Leider mussten wir feststellen, dass uns Räuber überfallen und alle Geldmünzen gestohlen hatten. Von den Wettkämpfen noch ermutigt wagten sich die tapferen Mägde und Knechte in den tiefen, mit dornigen Brombeerbüschen bewachsenen Wald, um die Räuber zu fangen und die Münzen zurück zu erobern. Zerrissen und zerlumpt aber erfolgreich kehrten sie zurück und es konnte ihnen endlich ihr Lohn, der aus Zeitlohn und einer Prämie für die Qualität und Anzahl der Werksstücke bestand, ausgezahlt werden.
Noch ein paar kleine Vorbereitungen und es konnte endlich das große Fest am Marktplatz starten. Es wurde beinhart gefälscht, großzügig Geld verspielt, aber auch gewonnen, Drachenblut getrunken, Popcorn gegessen, und der Feuerschlucker bewundert.
 
Als der Mond hoch am Himmel stand und sämtliche Werksstücke verkauft waren, schlüpften wir alle wieder unter dem Lagertor durch und konnten uns im Jahr 2014 spät aber doch endlich wieder in unsere Schlafsäcke fallen lassen.
Anna-Sophie

Bilder vom Sommerlager

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